Wonsheim

...ein l(i)ebenswertes Dorf!

Chronik

 

von Heinrich Bechtolsheimer - Gießen

 wappen wonsheim

Mit Wonsheim geht es uns wie mit den meisten Landorten. Was wir über sie aus der Zeit bis ungefähr zur Reformation wissen, bezieht sich zumeist auf Besitzverhältnisse, auf Schenkungen, Gerechtsame, Verpfändungen, also auf Tatsachen, die aktenmäßig gebucht werden, die uns aber von Zuständen und Begebenheiten, von solchem, das der Nachwelt interessant ist, kaum etwas melden.

Zum ersten Male wird Wonsheim unter dem Titel „Vuanesheim“ erwähnt im Jahre 800, als - es geschah dies am 10. Juni des genannten Jahres - zwei Männer, Herting und Odilpraht, von denen wir weiter nichts wissen, ihren im Orte befindlichen Besitz dem Kloster Fulda schenkten. In dieser Zeit hat auch das Kloster Weißenburg Güter in Wanesheim.

Im Jahre 1257 taucht in Urkunden ein adeliges Geschlecht auf, das seinen Namen von Wonsheim hat. Der Wildgraf Konrad und seine Söhne Emich und Gozzo geben nämlich in dem genannten Jahre ihren Zehnten zu Wanesheim an einen Ritter Godelmann von Wonsheim und seine Gemahlin Kunigunde zu einem Pfandlehen auf zwei Jahre unter der Bedingung, dass dieses Lehen zu einem Erblehen werde, falls es nicht rechtzeitig eingelöst werden sollte.

Noch in späteren Jahrhunderten tauchen Herren von Wonsheim auf. Noch 1438 hören wir von einem Konrad von Wonsheim, 1629 vermählt sich Hartmann von Wonsheim mit Elenore Köth von Wanscheid, aus derselben Zeit wird auch ein Daniel von Wonsheim erwähnt.

Mehrfach wird von Geschichtsforschern angegeben, dass das Geschlecht der von Wonsheim 1674 ausgestorben sei, doch gab es noch 1703 im kurmainzischen Heer einen Oberst von Wonsheim und einen Hauptmann von Wonsheim.

Aus der Übertragung des Zehnten durch Wildgraf Konrad an Godelmann von Wonsheim geht hervor, dass Wonsheim damals im Besitz der Rau - und Wildgrafen war, eines am Rhein hochangesehenen Fürstengeschlechts. In der alten Zeit war es jedoch das Unglück vieler Gemeinden, dass sie gleichzeitig mehreren Herrn gehörten und natürlich allen tributpflichtig waren. So hatte Philipp von Sponheim, gen. Bolanden, um das Jahr 1316 Anteil an dem Orte. Auch die Pfalz hatte damals Gerechtsame in Wonsheim.

Aus dem Alzeyer Saal- und Lagerbuch des Jahres 1429 geht hervor, daß Wonsheim den Pfalzgrafen zu allen Geboten (Aufforderungen) auf die Burg Alzey dienen mußte.

Früher wurden die Gemeinden verhandelt wie tote Objekte. So verhandelte Raugraf Otto 1431 den ihm zukommenden vierten Teil von Wonsheim an den Pfalzgrafen Ludwig IV. Als weitere Mitbesitzer kamen die Grafen von Falkenstein in Betracht. Dieses Geschlecht starb im 16. Jahrhundert im Mannesstamme aus, sein Anteil fiel an die Kurpfalz, die 1671, nachdem die Grafen von Bolanden schon im Jahre 1579 durch Austausch mit den Grafen von Nassau ihre Rechte aufgegeben hatten, in den Alleinbesitz kam. Wonsheim wurde dem Oberamt Alzey zugeteilt, das einen beträchtlichen Teil der heutigen Provinz Rheinhessen und auch einen Teil der heutigen Rheinpfalz Bayern umfaßte und sich am Ende der pfälzischen Regierung in die Unterämter Erbes-Büdesheim und Freinsheim teilte. Wonsheim gehörte zum Unteramt Erbes-Büdesheim.

Etwas anschaulicher ist das Bild, das wir aus dem Wonsheimer Weistum (Sammlung der Ortssatzungen) des Jahres 1454 erhalten. Aus dem geht zunächst hervor, daß die Wonsheimer Straßen- und Flurnamen uralt sind.Das Weistum nennt schon die Obergasse, den Bamberger und den Iber Weg, auch den Heerweg und den Flurnamen „Hinter Steigen“. Wir besitzen auch eine Grenzbeschreibung aus dem Jahre 1503, die uns beweist, daß mindestens in einem halben Jahrtausend die Wonsheimer Flurbezeichnungen sich nicht geändert haben und daß die Gemarkung ganz in denselben Grenzen geblieben ist. Diese Beschreibung beginnt am Mollenberg (Mühlberg), geht über den Heerweg, die Heerkrätz, den Mayen, den Wingertsberg, vorüber „An den Hellen“ (An der Höll) nach der Siefersheimer Angewann.    

Von da läuft nach dieser Beschreibung die Grenze vorüber am Martinsberg und der Mockenhalde (Mockenhöll) nach dem Flutgraben (Hintergraben), von da den Neunmorgen zur Beller Kirche, weiter nach „ Unter Steigen“ und dem Steigerberg. Dann überschreitet sie den „Helligen Pfad“ (heiligen Pfad) und geht nach dem Fichtenwald. Von da zieht sie sich nach dem großen (jetzt langen) Graben, wieder nach dem Heerweg zur Scheffershalde (später irrtümlich „Schäferschell“ genannt), zum Ysselspfad (Eselspfad), dann nach der Nollkaut, von da zum Korwinkel und dem Ibener Weg. Hier bricht die Grenzbeschreibung ab, das Stück zwischen dem Ibener Weg und der Neu- Bamberger Gemarkung wird nicht behandelt.

Das bereits erwähnte Weistum stammt in seiner ursprünglichen Gestalt aus dem Jahre 1454, es existiert von ihm aber noch eine Abschrift aus dem Jahre 1710, in die viele Zusätze aus späterer Zeit eingetragen sind. Diese Aufzeichnungen geben uns ein Bild davon, wie es in Wonsheim in dem Zeitraum von 1451 bis 1710 aussah. Damals besaß die Gemeinde ein Backhaus, ein Gemeindebäcker war angestellt. 1705 war Johann Martin Baußmann Gemeindebäcker. Der Gemeindebäcker erhielt seinen Backlohn in Gestalt von Broten, wie das noch im 19. Jahrhundert, als es längst keinen Gemeindebäcker mehr gab, üblich war. Auch ein Gemeindeschmied war in der alten Zeit angestellt, um das Jahr 1700 war das Jakob Altpeter.

Am 20. Juni 1594 hatte die Gemeinde von „dem Morschheimer“, also von einem adligen Herrn (von Morschheim und Venningen) die Weidenmühle angekauft, sie war Bannmühle, d. h. jeder Einwohner war verpflichtet, in ihr mahlen zu lassen. Der Kaufpreis betrug 575 Gulden, am Martinstag 1594 waren 300, am Martinstag 1595 der Rest mit 275 zu zahlen. Wann die Gemeinde die Weidenmühle wieder veräußert hat, ist nicht bekannt.

Im 15. Jahrhundert hatte der Wonsheimer Büttel (Gemeindediener) das Recht an einigen Wegen, mit Ausnahme des Pfarrgutes, auf beiden Seiten die Frucht in einer Ausdehnung von 4 1/2 Fuß zu schneiden. Das war seine Besoldung, doch mußte er viel davon abgeben, nämlich 9 Simmer an die Kurpfalz auf das Schloß zu Alzey, 3 Simmer an den Grafen von Falkenstein, abzuliefern an den Herrschaftsschultheißen zu Volxheim, 1/2 Simmer an die Kirche zu Wonsheim, 3 Viernsel an den Herrn Oberstein, 1 Viernsel an den Herrn von Bellenhofen zu Neu - Bamberg, 12 Malter an den Löwensteiner Hof, das war ein zu Wonsheim bestehendes adliges Hofgut.

Viel umstrittener war in der alten Zeit das Recht an dem Gemeindewald, der in dem Weistum als „beeder Gemeinden Wald“ bezeichnet wird; er war gemeinschaftlicher Besitz von Wonsheim und Stein - Bockenheim. Aber auch Mörsfeld, Neu - Bamberg und der Daimbacher Hof (ehemaliges Frauenkloster bei Mörsfeld) hatten Anteil daran. Wonsheim hatte gemeinschaftlich mit Stein - Bockenheim den Weidegang für das Vieh im Walde, aber auch die Mörsfelder konnten dienstags und freitags wegen des Klosters Daimbach Vieh in den Wald gehen lassen. Von dem Holze, das man schlug, wurden 11 Lose abgesondert, davon gehörten 3 dem Kloster Daimbach, später gingen diese drei Lose an einen Bürger aus der Gemeinde Mörsfeld über. 2 Lose gehörten dem kurfürstlichen Hof zu Mörsfeld, 1 Los Mantzefeld (bei Mörsfeld), 2 Lose wurden dem Niederhäuser Hofgut, 1 der Mühle zu Tiefenthal, 2 der Herrschaft zu Iben zugewiesen.

Am 18. Februar 1563 fand zwischen Wonsheim und Stein-Bockenheim eine Auseinandersetzung über den Wald statt. Bei dieser Auseinandersetzung vertrugen sich beide Parteien freundschaftlich.

Der Feldschutz wurde in alter Zeit von den Bürgern selbst ausgeübt. Jedes Jahr wurden sieben Männer hierzu beordert. „Was sie rügbar finden in der Gemarkung, rügen sie uf Sonntag vor der gantzen Gemeind“. Da wo heute vor dem Hause, das vormals Jakob Haag im Besitz hatte, der Friedensbaum steht, war die Weed. 1592 kaufte Balthasar Mann von der Gemeinde einen Garten an der Weed für 21 Gulden unter der Bedingung, daß er die Mauer „umb und uff der Weeden“ allezeit in gutem Zustand erhalte.

Nach dem Weistum wurden alljährlich einige Bürger zu Feuerläufern bestimmt, die beim Ausbruch eines Brandes bis zu 1 1/2 Meilen laufen sollten. Sie durften für diese Dienstleistung auf Kosten der Gemeinde ein Viertel Wein trinken. Betrug sich ein Feuerläufer unhörig, so wurde er von seinen Konsorten um fünf Heller gestraft.

Jedes Jahr wurden die Weingefäße viermal geeicht; der Wirt, dessen Gefäße nachgeprüft wurden, gab jedesmal 1/2 Viertel Wein.

Als das Weistum angelegt wurde, bestanden in Wonsheim mehrere Güter, die im Besitz adliger Herrn waren, sogenannte adlige Hofgüter.

Es wurden genannt:

1.) Das Gut, das Hans Christophel von Wonsheim besaß. Dieser hatte ein Haus, „beforcht oben zu der Kirch unter den Dorfgraben“, auserdem 70 Morgen Land.

2.) Der Löwensteiner Hof, im Besitz des Herrn zu Eltz, dann des Herrn von Plittersdorf, von diesem Hof wird gesagt: „liegt unten an der Kirch“. Als das Weistum errichtet wurde, hatte ihn Hans Stahlweg (Stellwagen) in Pacht, er umfaßt 80 Morgen.

3.) Der Sponheimer Hof. Er war 100 Morgen groß; von dem Hause wird gesagt: “liegt bei der Kirchen und beforcht das Rathaus“. Velten Graf und Genossen hatten ihn damals in Pacht.

4.) Der Marienpforter Hof wurde später an Hans Jakob Stellwagen verkauft.

5.) Ein Hofgut, das 50 Morgen umfaßte und im Besitze der Herrn von der Leyen war.

6.) Der Dalberger Hof; er war 40 Morgen groß, war 1454 an Hans Kern verpachtet und wurde später an Wihelm-Stellwagen verkauft.

7.) Das Gauer Hofgut, von dem nur gesagt wird, daß es 70 Morgen groß war.

8.) Der Obersteiner Hof; er war 32 Morgen groß und war 1710 an Adam Graf und Konsorten verpachtet.

Hieraus geht hervor, daß ein erheblicher Teil der Wonsheimer Gemarkung in alter Zeit adligen Herrn gehörte. Einige dieser Güter wurden im Laufe der Zeit an Wonsheimer Bürger verkauft, zur Zeit der französischen Herrschaft gingen wohl die letzten dieser Güter in den Besitz Wonsheimer Einwohner über.

Wonsheim ist seit alten Tagen Sitz einer Pfarrei, die naturgemäß vor der Reformation katholisch war. Seit uralter Zeit stand da, wo heute die evangelische Kirche steht, ein Gotteshaus. Diese Kirche war dem heiligen Lambertus geweiht, gehörte zum Dekanat Münsterappel und zum Erzbistum Mainz. Noch heute überrascht die Kirche durch ihre Lage, sie liegt um ein Stockwerk höher als die an ihr vorüberziehende Kirchgasse, also auf einem Hügel. Dieser Hügel ist aber nicht auf natürliche Weise entstanden, sondern ist aufgetragen worden. Am 20. Juli 1868, als man die Kirche renovierte, entdeckte man nämlich unter der jetzigen Sakristei ein wohlerhaltenes Gewölbe, das sich, so ist in der Pfarrchronik zu lesen, „mit seinen alten Fenstergesimsen und seiner ganzen Einrichtung als Sakristei der früher abgebrochenen Kirche erwies“. Daraus geht hervor, daß die alte Kirche viel tiefer lag und von beiden Seiten ohne Treppenaufgang zu erreichen war. Bei der Ausbesserung des Jahres 1868 entdeckte man auch unter dem Altare zwei große steinerne Särge und einen kleinen Steinsarg. Aus dem Kirchenbuch, das die Beerdigten verzeichnet, wissen wir, wer in diesen Särgen zur Ruhe gekommen ist. Es ist dies der Pfarrer Müller, mit seiner Ehefrau und seinem Kinde. Frau Lawina Charitas Müller war am 18. Juli 1762 „unter dem Kommuniontische“ (unter dem Altar) begraben worden, nachdem ihr Söhnchen schon ein Jahr zuvor dort seine Ruhe gefunden hatte. Der Eheman starb 1781 und wurde an der Seite der Seinen bestattet.

Notizen aus älterer Zeit besagen, daß die Kirche 1705 oder 1707 den Katholiken gehört habe und dann infolge der in der Pfalz vollzogenen Kirchenteilung den Reformierten zugewiesen sei; dafür habe man den Katholiken zu Erbes - Büdesheim die dortige Kirche gegeben. Ich halte diese Angaben, ohne daß ich sie auf Grund genauer Unterlagen widerlegen kann, für unrichtig; denn die Zahl der Katholiken war und ist in Wonsheim so klein, daß nicht denkbar ist, daß sie nach Einführung der Reformation die Kirche besessen haben.

Keine Notiz besagt auch, daß die Reformierten vor 1705 ein anderes Kirchengebäude gehabt hätten. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche niedergelegt und im Neubau, der 1754 vollendet wurde, aufgeführt. Von dem Turme hat man den unteren Teil stehen lassen. Im Jahre 1818 wurde durch freiwillige Gabe eine Orgel beschafft, 1838 wurde der Turm renoviert und erhielt seine jetzige Gestalt. Bei der Renovation des Jahres 1868 wurde die schöne Treppe an der Kirchgasse angelegt, vorher hatte man nur einen Zugang von der Sackgasse her, die zum Rathaus führt. Am 7. Februar 1869 wurde die neu hergerichtete Kirche eingeweiht. Interessant ist der in seinem unteren Teile zweifellos sehr alte Kirchturm. Über dem Ort, wo geläutet wird, befindet sich im Turm selbst eine sogenannte Oberkirche mit einer Art von Altar. Der untere Teil des Turmes zusammem mit der heutigen Sakristei bildete in der alten Zeit das Chor.

Die Namen der Wonsheimer Pfarrer sind uns nicht lückenlos erhalten.

Als im Jahre 1874 die neue hessische Kirchenverfassung zustandegekommen und die Erhebung einer allgemeinen Kirchensteuer beschlossen war, entstand in mehreren rheinhessischen Gemeinden eine Bewegung, die sich gegen die Kirchensteuer richtete. Die nächste Folge war, daß man in Worms eine Gemeinde der „Freien Protestanten“ gründete, die sich über ganz Rheinhessen erstreckte. Im Oktober 1876 begannen auch in Wonsheim die Austritte aus der evangelischen Landeskirche, die bis Weihnachten die Zahl 347 erreicht hatte, so daß am 1. Weihnachtstage der Gottesdienst geschlossen werden mußte, umsomehr, da die unteren Kirchendiener, Glöckner und Balgtreter nicht mehr ihren Dienst versahen. Die evangelische Gemeinde schmolz bis auf einen kleinen Rest zusammen. Am 7. Dezember 1877 fand in der evangelischen Kirche der erste freiprotestantische Gottesdienst statt, später wurden diese Gottesdienste abwechselnd in den Sälen von Diehl und Eller abgehalten. Um den Besitz des Pfarrhauses und der Kirche entspann sich ein langwieriger Prozeß, der schließlich durch eine Entscheidung des Reichsgerichts zu Gunsten der immer noch bestehenden evangelischen Kirchengemeinde ausging.

Das Pfarrhaus ist im Jahre 1836/37 erbaut worden. Von dem früheren Pfarrhause sagt das Weistum: „liegt unten an der Kirch, geforcht oben die Gemein Gaß, unten zu der Gemeind Rathauß“. Daraus geht hervor, daß es an derselben Stelle lag wie das Pfarrhaus von heute.

Wonsheim hat zwei Schulen, die „große“ und die „kleine“ Schule. Das Schulhaus, das von den größeren Kindern besucht wird, wurde 1837/38 erbaut. Da wo es steht, soll früher die Zehntscheuer gestanden haben. Die kleineren Kinder gehen in die Schule, die im Rathause untergebracht ist. Im Erdgeschoß dieses Gebäudes befindet sich die katholische Kirche. Wann das Rathaus errichtet worden ist, ist nicht bekannt. Im Jahre 1875 wurde die Freitreppe, die zum Schulsaal empor führt, erbaut. Das älteste Schulhaus soll da gestanden haben, wo sich später das Geschäft von Peter Höfler, dann von Philipp Blum befand. Das Weistum sagt von dem alten Schulhaus: „beforcht oben Velten Schnell unten Hanß Obenthal“. Hieraus läßt sich auf seine Lage kein sicherer Schluß ziehen.

Bis zum Jahre 1849 hatte die Gemeinde nur einen Lehrer. Die zweite Schulstelle war zunächst nur von Vikaren besetzt. Im Jahre 1859 fand Wilhelm Bechtolsheimer aus Dittelsheim als Schulvikar in Wonsheim seine erstmalige Verwendung, 1866 wurde er definitiv angestellt, erhielt 1879 die erste Schulstelle, die er bis zu seinem am 30. April 1901 erfolgten Hinscheiden innehatte. 1880 kam Theodor Lutz nach Wonsheim, er erhielt 1901 die erste Schulstelle und lebt seit 1922 im Ruhestand. In den letzten Jahren haben, was im Interesse der Jugend zu bedauern ist, die Lehrer in Wonsheim sehr oft gewechselt.

Schon das Weistum spricht von einem Schultheißen, der der Gemeinde vorstand. Am 17. September 1723 wurde der kurpfälzische Schultheiß Kaspar Surerus zu Grabe getragen, die übrigen Ortsvorsteher kennen wir nicht, jedoch sind die Namen der Bürgermeister seit 1800 an bekannt.Bis zum 31. Dezember 1800 war Johann Eller unter der Amtsbezeichnung „Agent“ Vorsteher der Gemeinde, dann Johann Veith unter dem Titel „Maire“ bis 1812.

Bürgermeister waren Johann Eller bis 1822,

Jakob Stellwagen bis 1831,

Phillip Bennighof bis 1843,

Johann Stellwagen bis 1867,

Phillip Rickrich zuerst Beigeordneter, dann von 1868 bis 1880 Bürgermeister.

Von 1880 bis 1881 stand Johann Mann 5. als Beigeordneter an der Spitze der Gemeinde,

dann war Jakob Keim Bürgermeister bis 1891.

Von 1891 bis 1893 führte Georg Mann 1. als Beigeordneter die Verwaltung,

dann war Heinrich Keim 2. Bürgermeister bis 1911.

Seit dieser Zeit führt Heinrich Keim 3. das Amt des Bürgermeisters.

 

In den Kirchenbüchern, vor allen in den Beerdigungsprotokollen, sind hin und wieder Tatsachen außerordentlicher Art verzeichnet. Am 26. Mai 1722 wurde der mit einer Anna Marie Lahr verheiratete Kandidat der Theologie Johann Buch, Sohn des Pfarrers Buch, beerdigt. Dieser Mann, der 32 Jahre alt wurde, ist auf eine eigentümliche Weise verunglückt. Das Kirchenbuch schreibt: „Er war den Freytag vor Pfingsten gegen Abend hinauß gegangen, einen Haasen zu erlauern und auf einen Baum gestiegen, alß er aber die Flinte nach sich ziehen will, gehet sie looß und ihm der gantze schuß in den Kopf, daß er augenblicklich todt ist und den andern Tag todt auff dem Baum gefunden wird, der Baum stehet oben an dem großen Pfarracker an der Otterzung, ein wenig zur linken Hand“.

Im September 1727 wurde Johann Klein aus Fürfeld beerdigt, von ihm wird vermerkt: „Dieser Mann wollte des abends von dem Bellermarkt nach Hause gehen, wurde aber an dem Kohrwinkel von 2 Mördern erschossen, folgends hierher geführt und ehrlich bey einer großen Menge Volcks begraben“.

Der Lehrer Konrad Gintz endete auf eine tragische Weise. Er war auf dem Rückweg von Horrweiler, wurde zwischen Siefersheim und Wonsheim, „unweit des hiesigen Banns von einem in der Frucht verborgen gewesenen überfallen und mit Stockschlägen und Fußtritten so mißhandelt, daß eine Kopfwunde seinem Leben ein Ende machte“.

Am 12. September 1796 kam es zu einem Auflaufe gegen 12 französische Reiter, die vermutlich zur Armee des Generals Moreau gehörten, der sich damals über den Rhein zurückzog. Diese Reiter hatten im Ort gerastet. Im Verlauf eines Streites mit Ortseinwohnern sollen drei Reiter und drei Pferde verwundet worden sein, ein Reiter wurde erschossen. Der Täter ist nie entdeckt worden. Der verhängnisvolle Schuß soll aus dem Gasthaus „zum Ochsen“ gefallen sein. Zur Strafe wurde nach allgemein üblichem Kriegsrecht der Gemeinde eine Kontribution auferlegt und der Ort sollte an vier Ecken angezündet werden. Die Einwohner flüchteten unter Mitnahme einiger Habseligkeiten nach dem Appelbachtale.“Meine beiden Urgroßmütter mütterlicherseits haben bis in ihr hohes Alter von dem Schrecken erzählt, den sie damals ausgestanden haben; der einen, Christine Keim. geb. Rittereißer, hatte ihr Vater bei der Flucht einen Sack Mehl gegeben mit den Worten, den solle sie nehmen, damit sie nicht mit leeren Händen zu fremden Leuten komme. Obgleich sie sehr kräftig war, so hat sie doch immer erzählt, daß ihr die Last auf der Flucht nach Mörsfeld sehr sauer geworden sei. Die andere, Anna Marie Stellwagen, geb. Lorentz, befand sich zuletzt noch allein im Dorfe. Sie wollte zu Hause etwas holen, da wurde ihr der Weg abgeschnitten, sie versteckte sich im Hause, flüchtete später durch Scheuer und Garten nach einem Zimmerplatze und gelangte so ins Freie“. Beide waren damals noch 14-jährige Mädchen. Durch Vermittlung des Pfarrers und Konsistorialrates Dietzsch in Stein-Bockenheim gelang es, den Befehlshaber dazu zu bestimmen, die Anordnung, dass der Ort angezündet werden sollte, zurückzunehmen.

Zur Zeit der französischen Herrschaft dienten viele Wonsheimer im Heere des Kaisers Napoleon. Nicht selten auch suchte man der Wehrpflicht zu entgehen.

Einige Notizen über die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts entnehme ich einem Büchlein, in das mein Urgroßvater Jakob Stellwagen, geb. 1781, gest. 1866, Einträge gemacht hat. Das Jahr 1816, das durch anhaltenden Regen eine Mißernte gebracht hat, ist auch für Wonsheim verhängnisvoll gewesen. Mein Urgroßvater schreibt: „Die Witterung vom Frühling an bis den 1. May war so ziemlich gut aber immer kalt dabey vom 1. May an hat es Tag für Tag geregnet, daß das Kleeh alles im Feld verfault ist und auf den Johannistag noch kein eingeerndt war.

Das Wissenheu ist 14 Tage nach Johannestag gemacht worden und ziemlich gut eingeerndt worden. Um Jakobitag hat es am Rand gestanden, daß bei vielen Haushaltungen Brodmangel gegeben hat.Wegen dem vielen Regenwetter war kein Korn heimzubringen. Nachgehends ist die Erndt mit vieler Müh und doch sehr langsam eigethan worden und ist in unserer Gemark noch im Oktober Weitz draus gewesen aber in den Waldgemarkungen noch sehr viel, dann auch der Haber, Wicken, Kleesamen ist nicht eingethan worden. Das Ohmet ist zum Theil stehen geblieben, und was abgemacht worden ist, ist verfault. Die Herbstsaat ist schwerlich und mit vieler Mühe ausgesät worden wegen dem sehr vielen Regenwetter. Die Kartoffeln, Gelbrüben, und sonstiges Gepflänz ist mit vieler Mühe und doch sehr langsam eingethan worden. Die Gelbrüben sind doch sehr viele bis nach dem Neujahr 1817 im Feld geblieben.“

Heute noch ist, und zwar da, wo früher der Brennofen des Häfners Dorsheimer stand, der Dorfgraben kenntlich, der in alter Zeit die Gebäude einschloß. Dieser Graben war seinem Rande mit Ulmen oder Effen besetzt. Um das Jahr 1818 war die Gemeinde infolge ihrer Kriegsschulden in bedrängter Lage, so daß sie die Bäume fällen ließ.

Wonsheim hatte zwei Dorftore, da, wo heute Fritz Weinsheimer wohnt, befand sich die Schillingspforte, sie ist heute noch an dem starken Mauerwerk des Hauses zu erkennen. An dem entgegengesetzten Ausgang des Dorfes befand sich die Schmidtpforte. Statt Pforte sagte man früher „Port“, daher die Bezeichnung „Port - Martin Lorentz“.

Die Ereignisse der Jahre 1848/49 und 1866 brachten für unsere Gemeinde nicht viel, das erwähnenswert wäre. 1849 lagen preußische Soldaten im Quartier.

Um das Jahr 1860 wanderten viele Einwohner nach Nordamerika aus. Diese Auswanderung dauerte an bis in die 80er Jahre.

In der Nacht vom 22. zum 23. Oktober 1865 brannte die Scheuer von Johann Schmitt, der 1872 nach Iben zog, nieder, diese Hofreite ist jetzt im Besitz von Phillip Lahm.

Die Jahre 1870 und 1871 brachten mannigfache Truppenmärsche. Am 28. Juli 1870 langte ein Bataillon des Infantrieregimentes Nr. 48 an, das bis zum nächsten Tag blieb. Zwei Tage später wurden schleswig-holsteinische Husaren einquartiert, am 31. Juli kam ein Bataillon des Infantrieregimentes Nr. 48 an, dann kamen noch zweimal kleinere Truppenteile, die alle einen Tag blieben und dann weiter marschierten. In der Nacht vom 29. zum 30. Juli kam der Befehl, daß die Gemeinde 12 zweispännige Fuhrwerke zu Militärtransporten zu stellen habe, die am nächsten Morgen zwischen 5 und 6 Uhr vor dem Rathaus in Wörrstadt sein sollten, jeder der Fuhrleute mußte mit Fourage für drei Tage versehen sein. Unter diesen Umständen war es nicht leicht, die Ernte nach Hause zu schaffen.

Auf dem Rückmarsch des deutschen Heeres kam am 26. März Belagerungsartillerie nach Wonsheim, am 5. Juni folgte mecklenburgische Artillerie, am folgenden Tage kam abermals Artillerie. Am 24. Juni langten sächsische Ulanen an, ein Sanitätskorps macht am 5. Juli den Schluß. Aus Wonsheim hatten am Krieg teilgenommen: Johann Belzer, Georg Diehl, Karl Fitting, Jakob Hembd, Wilhelm Kiltz, die beiden Brüder Martin und Peter Lahm, Johannes Mann und Johannes Stellwagen. Feldzugteilnehmer war auch Heinrich Arm, gebürtig in Offenheim, der nach dem Krieg in Wonsheim ansässig wurde. Alle waren unversehrt in die Heimat gekommen. Als im Juni die ersten Krieger heimkehrten, wurden sie in Gau-Bickelheim feierlich abgeholt. Man hatte einen Erntewagen mit Bänken versehen, und viele Bekannte der Heimkehrenden fuhren mit.

Am 18. Dezember 1885 entstand frühmorgens um 6 Uhr Feuerlärm, die Scheuer von Johann Belzer stand in Flammen und brannte ganz nieder, zwei Tage darauf, an einem Sonntagabend, um 8 Uhr, tönte abermals die Sturmglocke, es brannte in der Hofreite von Johann Lorentz 7., die neben der Belzerschen Hofreite liegt, und die Scheuer mit allen darin befindlichen Gerätschaften wurde ein Raub der Flammen. Der Schreck über diese beiden Ereignisse war groß, zumal unzweifelhaft Brandstiftung vorlag. Leider gelang es nicht, den Täter ausfindig zu machen.

Während des ersten Weltkrieges hatte Wonsheim vielfach Einquartierung, es waren dies Truppen, die in Rheinhessen ausgebildet wurden.

36 Gefallene hat die Gemeinde in diesem Krieg zu beklagen.

Die Einwohnerzahl betrug 1815 452, 1900 714, darunter 236 Evangelische, 57 Katholiken, 422 Freiprotestanten.

Einzelne Familien sind gewiß schon seit Jahrhunderten in Wonsheim ansässig, zu den ältesten gehören die Familien Stellwagen und Kern, die schon 1454 auftauchten. 1563 hören wir von einem Peter Mann.1691 werden in dem ältesten uns erhaltenen Kirchenbuche die Namen Gebhard Lahr, Wilhelm Stellwagen, Michael Scherrer, Adam Weinsheimer, Hans Martin Stoltz verzeichnet, 1702 die Namen Nikolaus Eller, Johann Nikolaus Lorentz, Nikolaus Engel, Hans Jakob Dorsheimer. Ausgestorben sind die Familien Grieß, Türk, Götz, Zöller, Dümmler, Graf, Veith, Jenner, Hennefreund, Betterich. Die Familie Lahm scheint aus Eckelsheim zu stammen, die Familie Keim kam durch meinen Urgroßvater Michael Keim von Wendelsheim nach Wonsheim, stammt aber ursprünglich aus Eckelsheim. In mehreren Generationen existierte die Familie Rittereißer, die mit Batholomäus Rittereißer um 1700 aus Simmern nach Wonsheim gekommen war, sie starb mit meinem Urgroßvater Martin Rittereißer aus.

Einige Wonsheimer Bilder aus alten Tagen:

 

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